Kuba ~ Flashback

Zigarren, Rum und Oldtimer. Der verblasste Glanz aus
vergangener Kolonialzeit. 
Abgenutzt, heruntergekommen
und trotzdem voller Würde.
 –
Kuba ist wundervoll! 

Insgesamt haben wir in Kuba leider nur 2,5 Wochen verbracht. Zu kurz – wie ich im nachhinein zugeben muss – aber dennoch genug Zeit, um einen Eindruck von Kuba, dem Land und den Menschen dort, zu gewinnen. Zudem hat uns der Hurrikane Irma einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Mehr dazu später…

Unterkünfte:  Geplant war…
–  ausschließlich in Casa Particulares zu übernachten und
–  auf die Casa-Empfehlungen der Gastfamilie für den nächsten Ort zu hören.

Der Plan ging voll auf!

Tatsächlich funktioniert es prima. Seit die kubanische Regierung das Vermieten von Zimmer/Appartements an Touristen erlaubt hat, hat sich ein enormes Angebot an Casa Particulares entwickelt. Überall prangt der blaue Anker und ich kann mir kaum vorstellen, dass es jemals zu Engpässen kommen könnte. Maximal an Weihnachten/Silvester – vielleicht…

Die Unterkünfte waren stets super sauber, und die Gastfamilien ausgesprochen nett und hilfsbereit. Oft sind die Besitzer grandiose Reiseführer, sprechen aber leider nur selten gutes Englisch.

Sprache: Oh weh….wer kein Spanisch kann ist in Kuba zwar nicht ganz so restlos aufgeschmissen, wie wir es in Brasilien ohne Portugiesisch-Kenntnisse waren – mit Händen und Füßen geht es schließlich immer irgendwie – aber es kann ab und an doch recht mühsam werden. Ein paar Brocken erleichtern vieles.

Vor Ort unterwegs: Colectivos (= Sammeltaxis) sind „normale“ PKW´s die je nach Größe 4-8 Personen transportieren können. Man wird direkt an der Casa abgeholt („Spar-High-Five“, weil spart zusätzliche Taxikosten!!) und bis zur Haustür der neuen Casa gebracht. Die Colectivos sind dabei nicht einmal teurer als der übliche Viazul-Bus. Mit etwas Glück wird man sogar in einem wunderschönen Oldtimer kutschiert.

Organisiert haben die Fahrten für uns immer die jeweilige Gastfamilie; bezahlt haben wir den Fahrer dann am Ziel. Das hat immer reibungslos funktioniert. Allerdings fahren die Colectivos nur bestimmte Routen, wie beispielsweise Havanna – Vinales, oder Havanna – Trinidad. Kleinere Orte können nur per Bus/Taxi erreicht werden.

Kuba Oldtimer

Havanna

~ Schönheit im Verfall ~

Durch das Embargo der USA gegen Kuba konnte die Hauptstadt Havanna ihren ganz eigenen Charme entwickeln. Kein McDonalds oder BurgerKing. Keine CokaCola, keine Sprite und kein Starbucks… Und ich muss sagen – wir haben es keine Sekunde vermisst!

Es ist diese ganz spezielle Mischung, die die Stimmung in Havannas Altstadt ausmacht: karibisch leuchtende Farben unter der meist strahlenden Sonne, die marode Bausubstanz der kolonialen Gebäude, die offensichtliche materielle Armut der Bewohner und ihr Reichtum an Lebenslust, Musik und Rhythmus.
Havanna ist etwas besonderes und definitiv ein Ort den man mal erlebt haben muss!

Havanna

Unterkünfte:
Unsere ersten beiden Nächte in Havanna haben wir von Deutschland aus schon über die Plattform Airbnb gebucht.
Wir hatten ein schönes Zimmer in einer Casa nahe der Uferpromenade Malecon. Das Zimmer war TipTop, können wir gerne weiter empfehlen:
Casa Dayron Robles, Escobar 161, Habana Centro.
Da wir wieder von Havanna aus Richtung Deutschland zurück geflogen sind, haben wir die letzten 2 Nächte wieder in Havanna verbracht. Dieses mal bei Eldix Jones. Eldix hat jahrelang in Rom gelebt, dort Ballett getanzt und unterrichtet. Er war unter anderem auch Tänzer in der bekannten Tropicana Show in Havanna.
Casa Eldix Jones, entre Teniente Rey y Muralla,  Havana Vieja.

 

Vinales

Sattes Grün soweit das Auge reicht, schroffe Karstfelsen, bunte Häuser inkl. Veranda und – ganz wichtig – der Schaukelstuhl! Männer die Zigarre kauend einen Pflug mit Hilfe von Ochsen durch ein rostrotes Tabakfeld ziehen, oder ganz lässig auf dem Rücken eines Pferdes durch die Stadt traben.
Willkommen in Vinales, einer ländlichen Kleinstadt, die sich erfolgreich dagegen wehrt, eine touristische Fassade zur Schau zu stellen. Alles was man hier sieht ist echt – ein Stück kubanische Wirklichkeit. Wunderschön!

Vinales

Unterkunft:
Villa Jorge & Ana Luisa, Calle final del Policlinico 2C, Vinales
Hier hatten wir nicht nur ein Zimmer, sondern gleich eine ganze Wohnung für uns. Die Gastfamilie war sehr herzlich und unglaublich hilfsbereit.

Aktivitäten:
Abendessen im Balcon del Valle: Drei geschickt angelegte Holzterrassen bieten einen spektakulären Blick über das Tal. In dem Restaurant gibt es keine Speisekarte, man kann lediglich zwischen Huhn, Schwein, Fisch und Hummer wählen – sehr lecker!

Mural de la Prehisoria: 120m  hohe Felsmalerei am Fuße der 617m hohen Sierra de Vinales, die 1961 von Leovigildo Gonzales Morillo entworfen wurde. 18 Maler und Hilfskräfte arbeiteten 4 Jahre daran. Das Gemälde mit Dinosauriern, riesenhaften Schnecken und Menschen symbolisiert die Evolutionsgeschichte und ist ganz schön beeindruckend.

Cueva del Indio: Die im Jahr 1920 wiederentdeckte Indianerhöhle diente einst den Guanajatabey-Indianern als Begräbnisstätte und war während der spanischen Eroberung ein Rückzugsort der Indigenas. in der Höhle gibt es viele Tropfsteine (Stalaktiten und Stalagmiten) zu bewundern und über den unterirdischen Fluss wird man per Motorboot wieder zurück an die Oberfläche gebracht.

 

Trinidad

Die kleine Stadt ist wirklich traumhaft schön: gepflasterte Gassen, kleine romantische Innenhöfe und eindrucksvolle bunte Kolonialbauten. Die Einwohner sind alle sehr freundlich, viele sitzen am Straßenrand unterhalten sich und spielen Schach.
Um einen ersten Einruck von der Stadt zu gewinnen, sollte man sich erstmal durch das Labyrinth der Gassen und Treppen mit Kopfsteinpflaster treiben lassen, während Pferde und wunderschöne Oldtimer an einem vorbeirumpeln.

Einen beeindruckenden Panoramablick über die Stadt, die Mangoplantagen und die Playa Ancón hat man vom Turm des ehemaligen Konvents San Francisco de Asis. Unbedingt machen!!!

Eigentlich wollten wir hier nur ein paar Tage verbringen, aber Hurrikane Irma war da anderer Meinung…

Trinidad

Unterkunft:
Casa el Olivo, 114 Calle Sto Domingo, Trinidad

Aktivitäten:
Neben unzähligen Oldtimern gibt es viele, viele Pferde, was mein Reiterherz höher schlagen lässt…! Klare Sache, hier müssen wir einen Ausritt wagen.
Die Pferde sind unglaublich brav und kennen die Wege bereits in- und auswendig. Lediglich ein paar verrückte Touristen tanzen aus der Reihe und treiben ihre Reittiere an halsbrecherischen Stellen in den Galopp… Kann man machen, muss man aber echt nicht!
Es gibt verschiedene Tages-Touren für 20-30 CUC, inkl.  Wasserfälle, Cafe Plantagen, Aussichtspunkte,… Es lohnt sich!

Der Playa Ancón soll zu einem der schönsten Strände an der kubanischen Südküste zählen. Schon alleine der Weg dorthin führt am Meer entlang und ist ein wunderschönes Erlebnis. Ein kleiner einsamer Strand reiht sich an den Nächsten. Die Strände an der kleinen Halbinsel Ancón sind – ganz anders als im Touristenort Varadero – nicht vom Tourismus überschwemmt, so dass man hier das karibische Meer und die Ruhe genießen kann.
Wir sind mit dem Taxi an den Strand gefahren (5 CUC). Man kann sich allerdings auch ein Fahrrad mieten und an den Strand radeln.

Unser Tauchgang war spannend. Bzw. nicht unbedingt der Tauchgang an sich, sondern eher die Tauchbasis.
Die Basis bestand aus einer windschiefen Hütte, dem Wohnhaus des Guides und seiner Familie/Geschwister. Nicht vielmehr als 4 Wände und ein Dach. Nebenan eine kleine Kochstelle, 100m weiter eine Toilette. Im Busch…
Irgendwo hingen ein paar Neoprenanzüge herum, ein paar Flossen klemmten an der Hauswand und nirgendwo kramt er 2 Jackets hervor. Beide in überraschend gutem Zustand, eines davon sogar fast neu.
Da das Equipment einen wirklich guten Eindruck machte, haben wir den Tauchgang gewagt – und nicht bereut.
Unser Guide (zertifizierter Advanced Diver) war beeindruckt von unseren Suunto Tauchcomputern. „Ooooh, professional!“ waren seine Worte, und wir mussten herzlich lachen. Erfahrene Taucher werden einen sehr schönen Tauchgang erleben, wer allerdings erst wenige Tauchgänge auf dem Buckel hat, sollte sich eine professionellere Tauchbasis suchen.
Das Tauchen hat uns unsere Gastfamilie organisiert. Für uns hat es gepasst, aber dennoch empfehle ich es, selbst nach einer passenden Tauchbasis ausschau zu halten.

Hurrikane Irma

Anfang September traf Hurrikan Irma auf Kuba – und wir waren mittendrin. Das Sturmtief braute sich Ende August über dem Atlantik zusammen. Es war der stärkste atlantische Hurrikan außerhalb des Golfs von Mexiko und des karibischen Meeres seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1898. Und als ob das noch nicht genug wäre, war Irma der erste tropische Wirbelsturm, der eine andauernde Windgeschwindigkeit von knapp 300 km/h für über 36h erreicht hat. Irma war seit 2005 der erste schwere Sturm, der Kubas Hauptstadt Havanna heimgesucht hat.

Na prima, dachte ich mir, als ich die Prognosen im Vorfeld gesehen habe.  Was tun? Bleiben? Heimfliegen? Abhauen? Nach Mexiko? Schließlich hatten wir keinerlei Erfahrungen mit Hurrikanes und was da auf uns zukommen könnte. Täglich erreichten mich unzählige beängstigende Nachrichten aus Deutschland. Und die Kubaner? Alle tiefenentspannt….
Ich denke das war ausschlaggebend dafür, dass wir uns entschieden in Kuba/Trinidad zu bleiben. Den Prognosen zu Folge glaubten wir in Trinidad relativ sicher zu sein. also warteten wir ab…

Es ist schwer zu beschreiben, wie es sich anfühlt, auf DEN „Jahrhundert-Hurrikane“ zu warten. Nicht zu wissen was da auf einen zukommt…
Wir haben uns mit reichlich Wasser und Snacks eingedeckt und einen kleinen Rucksack mit den wichtigsten Dingen wie Pässe, Flugtickets etc. für den Notfall gepackt. Falls es schnell gehen muss. Man weiss ja nie…

Und dann ging es los! Extremer Wind, viiiiel Regen und schließlich Stromausfall… Ein guter Tipp: bleib weg von den Fenstern und suche dir eine Unterkunft weit weg vom Meer!
Das Wasser lief die Wände in der Casa herab, Große Pfützen sammelten sich am Boden. Glücklicherweise hielt das Dach und weder Strommasten noch Bäume stürzten auf das Gebäude. Und nach 36h war es vorbei –  wir haben es sicher überstanden!!!

Irma

Im Vorfeld des Sturms wurden 1,86 Millionen der rund 11,2 Millionen Kubaner evakuiert, die meisten kamen dabei bei Familienangehörigen im Südwesten der Insel unter. Dennoch verloren zwölf Menschen ihr Leben, sieben davon allein in Havanna. Fast alle Provinzen des Landes waren von Irma schlussendlich betroffen.

Trinidad kam relativ glimpflich davon. Einige Gebäude wurden zerstört, unzählige Bäume entwurzelt und Strommasten umgeknickt. Als wir am darauffolgende Tag in Havanna ankamen, mussten wir schwer schlucken. Vor allem die Uferpromenade Malecon war arg zerstört worden. Restaurants, in denen wir vor 14 Tagen noch gegessen hatten waren weg. Die Glasfronten eingedrückt, das Inventar weggespült. Meter hohe wellen schwappten noch immer über die Mauer am Malecon. Häuser zerfielen, Furchtbar… Das Wasser muss dort laut einem Anwohner 2-3m hoch gestanden haben, die Casa in der wir anfangs übernachtet hatten geflutet…

Die kubanischen Zivilverteidigung meldete 158.554 beschädigte Gebäude. Im gesamten Land fiel für einige Tage der Strom und damit auch die Wasserversorgung aus. Mehrere Kraftwerke wurden beschädigt. Darunter auch das Kraftwerk Antonio Guiteras in Matanzas, das normalerweise 20% des nationalen Strombedarfs deckt. Tausende Strommasten, Transformatoren und Stromkabel fielen Irma zum Opfer. Knapp 1000 Gebäude des Gesundheitssystems und hunderte Schulen wurden beschädigt. Kuba hat viel zu tun…

Eigentlich wollten wir noch den Südosten der Insel sehen – aber nach dem Irma uns in Trinidad fast eine Woche festgehalten hat, und die Zerstörung im Nordosten der Insel am Größten war, mussten wir das von unserer Liste leider streichen.

Ein Grund wieder zu kommen, oder?

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